Es wird wohl mal wieder Zeit etwas aus der Schweiz zu berichten…

Also werde ich heute mal mein Fazit nach einem halben Jahr ziehen.
Eins vorab: Ich habe bisher den Schritt zur Auswanderung zu keiner Zeit bereut.
Deshalb kann ich eigentlich auch nicht viel aus der Vergangenheit berichten.Die Arbeit macht immer noch viel Spass, was vor allem auch an den Kollegen liegt, die einem ständig ein positives Feedback geben. Zusätzlich sind mir hier bisher nur nette Menschen begegnet und die ersten sozialen Kontakte ausserhalb der Firma  konnten geknüpft werden. Zu der Schönheit der Landschaft muss ich auch nichts weiter sagen. Es gibt immer wieder neue Ecken zu entdecken. Am vergangenen Sonntag habe ich eine Runde um den Melchsee gedreht, wo mir die ersten Schneeflocken um die Nase getanzt sind. Das hat natürlich sofort für Vorfreude auf die Skisaison gesorgt.

Ein besonderes Erlebnis in der Vergangenheit war das Strassenfest in meiner Strasse.
Dort wurden ganz pragmatisch einfach Baustellenschilder auf die Strasse gestellt, um diese für den Durchgangsverkehr zu sperren. Dazu wurde ein grosser Pavillon mit etlichen Sitzgelegenheiten aufgestellt.
Ganz angetan war ich von der offenen und herzlichen Art aller Anwohner. Obwohl ich erst seit einem halben Jahr dort wohne, die meiste Zeit auf der Arbeit verbringe und dadurch kaum Kontakt zu Nachbarn habe wurde ich sehr nett empfangen. Alle waren sofort per Du und ich wurde ohne Vorbehalte in sämtliche Gespräche einbezogen. Und genau wie zu Anfangs auf der Arbeit wurde ich nach einer gewissen Zeit gefragt, ob ich überhaupt die Mundart verstehe oder ob sie lieber sie sich lieber hochdeutsch unterhalten sollten.
Sehr gesellig war dann auch das gemeinsame Grillieren. Und hier liegt die Betonung wirklich auf „gemeinsam“. Es gab einen grossen Grill und nach einer Eröffnungs-Ansprache hat jeder sein eigenes Grillgut auf den Rost gelegt. Somit war jeder für sein eigenes Stück Fleisch verantwortlich. Jedoch hat natürlich jeder auch das Fleisch des anderen gewendet. Nebenbei haben sich auch nette und lustige Gespräche am Grill ergeben.
Für Getränke war ebenfalls gesorgt. Kaffee und alkoholfreie Getränke gab es umsonst, für Wein und Bier wurde ein kleiner Obolus fällig. Auf meine Frage, wer denn der Kassenwart sei bzw. bei wem ich denn mein Bier kaufen könnte, wurde ich nur freundlich angelächelt. Dies würde auf Vertrauen basieren. Getränk nehmen, Geld in die Kasse legen.

Dann kann ich noch von der Einfuhr meines Wohnwagens berichten. Aber dies verlief auch ohne weitere Probleme, obwohl mir auf der Fahrt aufgefallen war, dass sowohl die Gasprüfung als auch der TÜV seit Mai abgelaufen waren. Aber das interessierte weder den deutschen noch den schweizer Zoll.
Im Vorfeld hatte ich bereits mit der Zollbehörde geklärt, dass ich die Anmeldung über das gleiche, bereits abgestempelte Formular, wie bei der Auto-Einfuhr erledigen könnte.

Ein weiteres schönes Erlebnis hatte ich eines Morgens auf den Weg zur Arbeit. Auf der Hauptstrasse in meinem Dorf war von der Polizei eine Strassensperre errichtet worden. Jedes ein- und ausfahrende Auto wurde von den Beamten auf der Strassenmitte angehalten. Allerdings wurde keine Kontrolle durchgeführt. Vom Bürgersteig her näherte sich eine Frau mit einem Schulkind im Schlepptau dem Beifahrerfenster. Diese erinnerte dann an den Schulanfang, bat um besondere Rücksicht und verschenkte noch einen Apfel.

Zum Schluss kann ich dann noch von einer Tankstelle berichten, die eine besondere Rabatt-Aktion anbietet. Je mehr an tankt, desto günstiger wird der Liter-Preis. Das heisst, dass während des Tankvorgangs der Preis sinkt. Am Ende habe ich dann 6 Rappen auf den Liter gespart.

Ende nächste Woche steht mein Umzug in die neue Wohnung an. Dann werde ich auch wieder mehr berichten zu haben.