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Der Blog zu meiner Auswanderung in die Schweiz

Schlagwort: Polizei

#22: Halbjahres-Fazit

Es wird wohl mal wieder Zeit etwas aus der Schweiz zu berichten…

Also werde ich heute mal mein Fazit nach einem halben Jahr ziehen.
Eins vorab: Ich habe bisher den Schritt zur Auswanderung zu keiner Zeit bereut.
Deshalb kann ich eigentlich auch nicht viel aus der Vergangenheit berichten.Die Arbeit macht immer noch viel Spass, was vor allem auch an den Kollegen liegt, die einem ständig ein positives Feedback geben. Zusätzlich sind mir hier bisher nur nette Menschen begegnet und die ersten sozialen Kontakte ausserhalb der Firma  konnten geknüpft werden. Zu der Schönheit der Landschaft muss ich auch nichts weiter sagen. Es gibt immer wieder neue Ecken zu entdecken. Am vergangenen Sonntag habe ich eine Runde um den Melchsee gedreht, wo mir die ersten Schneeflocken um die Nase getanzt sind. Das hat natürlich sofort für Vorfreude auf die Skisaison gesorgt.

Ein besonderes Erlebnis in der Vergangenheit war das Strassenfest in meiner Strasse.
Dort wurden ganz pragmatisch einfach Baustellenschilder auf die Strasse gestellt, um diese für den Durchgangsverkehr zu sperren. Dazu wurde ein grosser Pavillon mit etlichen Sitzgelegenheiten aufgestellt.
Ganz angetan war ich von der offenen und herzlichen Art aller Anwohner. Obwohl ich erst seit einem halben Jahr dort wohne, die meiste Zeit auf der Arbeit verbringe und dadurch kaum Kontakt zu Nachbarn habe wurde ich sehr nett empfangen. Alle waren sofort per Du und ich wurde ohne Vorbehalte in sämtliche Gespräche einbezogen. Und genau wie zu Anfangs auf der Arbeit wurde ich nach einer gewissen Zeit gefragt, ob ich überhaupt die Mundart verstehe oder ob sie lieber sie sich lieber hochdeutsch unterhalten sollten.
Sehr gesellig war dann auch das gemeinsame Grillieren. Und hier liegt die Betonung wirklich auf „gemeinsam“. Es gab einen grossen Grill und nach einer Eröffnungs-Ansprache hat jeder sein eigenes Grillgut auf den Rost gelegt. Somit war jeder für sein eigenes Stück Fleisch verantwortlich. Jedoch hat natürlich jeder auch das Fleisch des anderen gewendet. Nebenbei haben sich auch nette und lustige Gespräche am Grill ergeben.
Für Getränke war ebenfalls gesorgt. Kaffee und alkoholfreie Getränke gab es umsonst, für Wein und Bier wurde ein kleiner Obolus fällig. Auf meine Frage, wer denn der Kassenwart sei bzw. bei wem ich denn mein Bier kaufen könnte, wurde ich nur freundlich angelächelt. Dies würde auf Vertrauen basieren. Getränk nehmen, Geld in die Kasse legen.

Dann kann ich noch von der Einfuhr meines Wohnwagens berichten. Aber dies verlief auch ohne weitere Probleme, obwohl mir auf der Fahrt aufgefallen war, dass sowohl die Gasprüfung als auch der TÜV seit Mai abgelaufen waren. Aber das interessierte weder den deutschen noch den schweizer Zoll.
Im Vorfeld hatte ich bereits mit der Zollbehörde geklärt, dass ich die Anmeldung über das gleiche, bereits abgestempelte Formular, wie bei der Auto-Einfuhr erledigen könnte.

Ein weiteres schönes Erlebnis hatte ich eines Morgens auf den Weg zur Arbeit. Auf der Hauptstrasse in meinem Dorf war von der Polizei eine Strassensperre errichtet worden. Jedes ein- und ausfahrende Auto wurde von den Beamten auf der Strassenmitte angehalten. Allerdings wurde keine Kontrolle durchgeführt. Vom Bürgersteig her näherte sich eine Frau mit einem Schulkind im Schlepptau dem Beifahrerfenster. Diese erinnerte dann an den Schulanfang, bat um besondere Rücksicht und verschenkte noch einen Apfel.

Zum Schluss kann ich dann noch von einer Tankstelle berichten, die eine besondere Rabatt-Aktion anbietet. Je mehr an tankt, desto günstiger wird der Liter-Preis. Das heisst, dass während des Tankvorgangs der Preis sinkt. Am Ende habe ich dann 6 Rappen auf den Liter gespart.

Ende nächste Woche steht mein Umzug in die neue Wohnung an. Dann werde ich auch wieder mehr berichten zu haben.

#12: Wohnungsbesichtigungen zum Zweiten

Da mir nur noch gut 2 Wochen bis zum Arbeits-Antritt verbleiben und die Auswahl an möblierten Wohnungen sehr beschränkt ist, habe ich mich für eine Planänderung entschieden: Ich miete eine unmöblierte Wohnung und richte diese nach und nach ein.

Für das vergangene Wochenende habe ich dann vier Termine zu Wohnungsbesichtigungen arrangiert. Von den Wohnungen waren dann auch 3 unmöbliert.

Über meine Hotelcard konnte ich keine passenden Hotels finden, so dass ich eine Unterkunft über airbnb gebucht habe. Lustigerweise ist die Mieterin gerade dabei auszuziehen  und so wurde mir kurzer Hand diese Wohnung auch noch angeboten.

Nun zu den Wohnungsbesichtigungen:

  1. airbnb-Unterkunft in Balsthal
    Die Unterkunft war nett, mehr aber auch nicht. Erfreulich fand ich die Kombination aus altem, offenen Fachwerk und moderner Fußbodenheizung.
  2. Neubauwohnung in Niederbipp

    Die erste geplante Besichtigung fand am Freitag statt. Immobilienmakler, wie man sie aus Deutschland kennt, gibt es in dieser Form in der Schweiz nicht. Hier sind es lediglich die Verwalter einer ganzen Liegenschaft. Dies bedeutet zum einen, dass Besichtigungen nur zu den gewöhnlichen Bürozeiten stattfinden können. Zum anderen bedeutet dies aber auch, dass keine Maklergebühren anfallen.
    Die Wohnung war dem Alter entsprechend sehr modern. Auch hier gab es eine Fußbodenheizung. Zudem noch eine Terrasse. Die beiden Schlafzimmer waren aber ziemlich klein geraten, so dass ich mich fragte, wie man ein Bett und ein Schrank zusammen in einem Zimmer unterbringen kann. Der große Vorteil liegt hier bei der Nähe zum Arbeitsplatz. Diesen hätte ich nach ein paar Hundert Metern erreicht
  3. Maisonette-Wohnung in einem alten Bauernhaus in Niederbipp

    Alle folgenden Besichtigungen waren bei privaten Vermietern. So auch bei dieser Wohnung. An und für sich eine schöne Wohnung. Allerdings auch wieder mit einem sehr kleinen Schlafzimmer. Der Haken bei dieser Wohnung lag an einer Mietklausel die besagt, dass frühestens nach einem Jahr gekündigt werden kann. Dies passt nicht wirklich zu meinem Plan, dass die erste Wohnung nur für eine Übergangszeit ist.
  4. große Wohnung in einem historischen Haus in Aarwangen

    Diese Wohnung war richtig schick! Bei 100qm war auch jeder Raum ausreichend groß genug. Die Lage direkt an einer viel befahrenen Hauptstraße war aber suboptimal. Zudem machte der Vermieter einen übertrieben pingeligen Eindruck. Nach dem ich meine Füße vor der Wohnung abgeputzt hatte und diese betreten hatte, schaute der Vermieter genau auf meine ersten Schritte und meinte dazu: „Ich will nur sehen, wie viel Dreck Sie in die Wohnung tragen“ 😮
  5. möblierte Wohnung in Roggwil
    Letztendlich wird es dann doch diese möblierte Wohnung werden. Die Ausstattung war vielleicht altmodisch. Aber hier habe ich sowohl die nötige Zeit mich in Ruhe nach einer passenden Wohnung umzuschauen, als auch den Platz Besucher unterzubringen.

Gerade bei der letzten Besichtigung wurde mir wieder die freundliche und offene Art der Schweizer zugegen. Nachdem ich alle Räume inspiziert hatte wurde ich von den Vermietern noch auf eine Tasse Tee und Gebäck eingeladen. Wir haben uns lange und nett unterhalten. Im Laufe des Gesprächs wurde mir dann noch angeboten, dass ich für Bergläufe motiviert und trainiert werde.

Während dieser Tour hatte ich genug Zeit mir die Städte Bern und Luzern anzuschauen, welche jeweils gut 30 bis 40 Minuten Fahrzeit von Roggwil entfernt liegen. Fotos gibt es wie immer in der Galerie.

Auch kam ich bei dieser Tour in den „Genuss“ meiner ersten Polizeikontrolle. Beim Auffahren auf eine Autobahn wurde ich aus dem Verkehr gezogen. Wie in Deutschland auch was dies nur eine „allgemeine Verkehrskontrolle“. Merkwürdigerweise wurde nach mir mit einem Franzosen ein weiterer Ausländer rausgewunken.
Der Polizist begann die Kontrolle mit übelstem Schweizerdeutsch, so dass ich noch so eben verstehen konnte, dass er die Papiere haben wollte und den Grund für meinen Aufenthalt wissen wollte. Nachdem ich ihm gesagt hatte, dass ich aktuell zu Wohnungsbesichtigungen unterwegs bin, da ich ab März in der Schweiz arbeiten würde, erhellte sich erfreulicher- und überraschenderweise seine Miene und der Dialekt wurde deutlich „hochdeutscher“. Nachdem er das Auto kontrolliert hatte und meine Vignette ein wenig bemängelt hatte durfte ich dann auch meine Fahrt fortsetzen.

Was mir sonst noch aufgefallen ist:

  • in Aarwangen habe ich eine Arztpraxis gesehen, die sogar am Samstag Sprechzeiten angeboten hat. Ob das nun in der Schweiz so üblich ist, muss ich noch heraus finden
  • blaue Ortsschilder zeigen nicht den Weg zur Autobahn. Das machen die Grünen! 😉

    Wegweiser Hauptstraße

    Wegweiser Autobahn

  • ich bin immer wieder erstaunt über die schnelle Reaktions-Zeit auf eMail-Anfragen. Heute habe ich beim Zoll eine Frage zur Einfuhr von Umzugsgut gestellt. Innerhalb einer Stunde habe ich eine ausführliche Antwort erhalten!

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