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Der Blog zu meiner Auswanderung in die Schweiz

Schlagwort: Interview

#3: Eigeninitiative

Die anfängliche Euphorie über die vielen Jobangebote verflog dann so langsam, denn trotzt etlicher lancierter Bewerbungen gab es in der Regel kein Feedback vom Headhunter. Hinzu kam, dass alle paar Wochen mein Headhunter wechselte. Ich habe das Gefühl/die Vermutung, dass ein Vermittler eine gewisse Zeit die „Chance“ hat, jemanden zu vermitteln. Schafft er es nicht, darf sich der Nächste versuchen.

So bin ich zunächst übergegangen, mit mehreren Personalvermittlungs-Agenturen zusammen zu arbeiten. Aber bei jedem lief es nach dem gleichen Schema ab. Zunächst wurde euphorisch versprochen, schnell einen Arbeitgeber zu finden. Es wurden Vakanzen vorgestellt, Bewerbungen platziert und in ca. 80% der Fälle bekam ich keine Rückmeldung.
Letztendlich war ich bei vier Vermittlungsagenturen gemeldet, jedoch ohne den erhofften Erfolg,

Also habe ich Anfang des Jahres (2016) den Entschluss gefasst mich intensiver mit der Jobsuche zu befassen. Dazu habe ich mich bei diversen Jobbörsen angemeldet. Natürlich wurde ich auch hier wieder von verschiedenen Headhuntern kontaktiert. Aber mein Ziel war es, direkt mit den möglichen Firmen in Kontakt zu treten. Dabei musste ich feststellen, dass dies gar nicht so einfach war. Die meisten freien Stellen wurden nämlich nur von Vermittlungsagenturen angeboten.

Aber Geduld zahlt sich eben aus!
So entdeckte ich Anfang Juni ein Inserat zu einer Stelle, bei der die Programmiersprache aus meiner Ausbildung gefordert war. Nostalgie pur!
Da das Inserat aber schon etwas länger online war entschied ich mich, mich vorab telefonisch nach dem aktuellen Stand des Bewerbungsprozesses zu erkundigen – auch um meinen Namen in der Firma schon mal auf einem Zettel stehen zu haben. Ich bekam grünes Licht und machte mich ans Bewerbungsschreiben.

Da meine letzte Bewerbung aber schon „Jahrzehnte“ zurück lag, musste ich mich auch hier zunächst über dem aktuellen Standard informieren. Eine wichtige „Neuerung“ betrifft dabei die Anrede, wobei ich jetzt nicht sagen kann, ob dies generell so ist oder nur in der Schweiz so gehandhabt wird. Und zwar folgt auf die Anrede kein Satzzeichen und in der nächsten Zeile geht es dann in Großschrift weiter.
Also:

früher

Sehr geehrte Frau xyz,

hiermit Bla blupps…

heute

Sehr geehrte Frau xyz

Hiermit wegen weil…

Nachdem ich dann meine Bewerbung über ein Online-Portal übermittelt hatte dauerte es ziemlich genau 1 Monat bis ich einen Anruf (in Abwesenheit) aus der Schweiz erhalten habe. Ich hatte schon gar nicht mehr mit einer Rückmeldung gerechnet, da ich schon seit über 7 Jahren nicht mehr in der geforderten Programmiersprache aktiv war. Mein Rückruf brachte dann aber die Gewissheit, dass ich in der Firma weiter im Rennen war.

Und von da an ging alles sehr schnell: 1. Bewerbungsgespräch am 14.07., 2. Bewerbungsgespräch am 25.07., Zusage am 26.07., Vertrag unterschieben am 05.08. Da soll nochmal einer sagen, die Schweizer seien langsam…

Das 2. Vorstellungsgespräch war aber schon ein dicker Brocken. Zunächst hatte ich fünf Einzelgespräche mit Personen aus verschiedenen Abteilungen. Diese Gespräche verliefen aber alle in einer ziemlich lockeren und angenehmen Umgebung, so dass ich mich zu keiner Zeit unter Druck gesetzt fühlte. Anschließend musste ich mich der gesamten Gruppe in einer Präsentation auf Englisch vorstellen. Dabei ging es um die Beantwortung der typischen Interview-Fragen. Was sind meine Stärken/Schwächen? Warum will ich in das Unternehmen? Was hat die Firma von mir?
Trotz reichlich Vokabellernens war das doch eine ziemlich stockende Veranstaltung und ich sah schon meine Fälle schwimmen. Anschließend musste ich dann noch einen Business Case präsentieren, was mir wohl wieder etwas besser gelang.

Nach einem abschließenden Gespräch mit einer HR-Verantwortlichen hatte ich aber doch ein gutes Gefühl. Dies lag nicht zuletzt an widersprüchlichen bzw. kombinierbaren Aussagen in den Einzelgesprächen. Einmal wurde mir gesagt, dass die Entscheidung zwischen mir und noch zwei anderen Bewerbern gefällt wird. Ein anderer Gesprächspartner erwähnte dann, dass zwei Bewerber bereits abgesagt hätten. Abschließend wurde mir angekündigt, dass die Entscheidung im Laufe der Woche getroffen wird und ob ich am Folgetag angerufen werden könnte.
Als dann am nächsten Morgen der erfreuliche Anruf kam waren alle Zweifel beseitigt.

Jetzt heißt es also: Die konkrete Planung der Auswanderung auf den 01.02.2017 ausrichten

#2: Das erste Vorstellungsgespräch

Von der ersten Kontaktaufnahme durch den Headhunter (Mitte September 2015) bis zum ersten Telefon-Interview vergingen gerade mal 8 Wochen. Dank der guten Vorbereitung durch den Headhunter (wir haben quasi das Vorstellungsgespräch am Telefon durchgespielt) wurde ich dann auch direkt 1 Woche später zu einem persönlichen Gespräch nach Kreuzlingen am Bodensee eingeladen.

Da ich von Anfang an meine Familie in das Thema Auswanderung mit einbeziehe, haben wir daraus einen Kurzurlaub gemacht. So konnten wir uns alle ein Bild von Land und Menschen machen. Wenn meine Frau anfangs noch skeptisch war, konnte sie sich nach dem Trip schon sehr gut vorstellen, in der Gegend zu leben.
(Kleine Randnotiz: Dank eines Bonus-Programms meiner aktuellen Firma konnte ich mir zu einem ermäßigten Preis die Hotelcard bestellen und so bis zu 50% bei Hotelbuchungen sparen)

Um es vorweg zu nehmen: Aus dem Job wurde leider nichts. Bis mir dies konkret mitgeteilt wurde, verging aber einige Zeit ins Land. Etwas in Bezug auf  Vorstellungsgespräche habe ich aber dazu gelernt: Nach einem Interview (egal ob telefonisch oder persönlich) erwartet der potentielle Arbeitgeber ein schriftliches Feedback. Auch hier war mein Headhunter wieder hilfreich und hat meine Vorlage noch ein wenig blumig ausgeschmückt.

Folgendes ist mir aber bei diesem ersten Besuch in der Schweiz aufgefallen:

  • Es gibt jede menge Kreisverkehre. Mein Navi ist selten dazu gekommen, eine Ansage zu Ende zu bringen, weil diese durch die nächste Ansage „In 200 Metern kommt ein Kreisverkehr. Nehmen Sie die x. Ausfahrt“ unterbrochen wurde.
  • Die Schweizer (in diesem Fall die Bewohner von Kreuzlingen) sind vorbehaltlos freundlich. Man wird überall und von jedem (selbst pubertierende Jugendliche) mit einem „Grüezi“ bedacht. Dagegen ist man bei uns in der Heimat schon froh, wenn ein Nachbar mal zum Gruß mit dem Kopf nickt.
    Erfreulich war auch eine Geschichte, die mir meiner Frau widerfuhr. Während meines Vorstellungsgespräch hielt sie sich mit unserer Tochter in einer Parkanlage auf. Dort fand sie ziemlich schnell den Kontakt zu einer anderen Mutter, unterhielt sich nett mit dieser und wurde zudem noch ermutigt, den Schritt der Auswanderung zu gehe. Also nicht zu merken von einer Abneigung gegen Deutsche.
  • Die Schweiz ist teuer! Das wussten wir zwar vorher schon, aber nach Besuchen von Supermärkten und Restaurants hatten wir nun auch die Bestätigung dafür. Wobei man sagen muss, dass wir auch einige Produkte gefunden haben, die günstiger waren als in Deutschland.
  • Die Dichte an Kindergärten ist immens hoch. Da unsere Tochter bei Zeiten natürlich auch in einen Kindergarten soll, haben wir uns auch direkt einige Einrichtungen vor Ort angeschaut. In einem Umkreis von wenigen Hundert Metern konnten wir uns direkt mehrere Kindergärten anscheuen, die zudem vom äußerlichen auch noch einen guten Eindruck machten.
  • Selbst in kleinen Gemeinden findet man alles vor, was man zum Leben braucht. Ich hatte mir im Vorfeld schon überlegt – Kriterien aufgestellt – was ein möglicher neuer Wohnort alles bieten muss. Dabei hatte ich für mich festgelegt, dass der Ort wenigstens 20.000 Einwohner haben sollte. Bei unserer Tour quer durch den Kanton Thurgau habe ich dann aber festgestellt, dass selbst in kleineren Ort mehrere Lebensmittelläden und Kindergärten vorhanden sind.

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