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Der Blog zu meiner Auswanderung in die Schweiz

Schlagwort: Arbeit Seite 1 von 2

#20: Alltag und Wohnungssuche

Da es zur Zeit nicht viel Neues zu berichten gibt, gibt es heute nur eine kleine Bildergalerie von meinem Ausflug zum Thunersee.

Ich hätte aber noch ein paar neue Erfahrungen, die ich hier gesammelt habe und mitteilen möchte:

  • wegen eines defekten Autos musste ich eine zeit lang mit der Bahn zur Arbeit fahren. Dabei habe ich gelernt, dass es im Nahverkehr Haltestellen gibt, an denen nur auf Verlangen gehalten wird. So gibt es im Zug und am Bahnsteig einen entsprechenden Halte-Knopf.
  • da mein Auto innert 4 Wochen dreimal in die Werkstatt musste, kann ich auch noch von dem riesigen Vertrauen der Menschen hier untereinander berichten. Als ich das Auto nach der dritten Reparatur abgeholt habe und bezahlen wollte, wurde ich nur fragend angeguckt. Ich hätte ja schon beim letzten mal bar bezahlt, so dass ich nun eine Rechnung bekommen würde.
  • In der Regionalbahn (so gross, wie eine Straßenbahn in Deutschland, aber ausgestattet und schnell wie eine S-Bahn) fragen neu zugestiegene Passagiere ob der Platz frei ist, bevor sie sich hinsetzen. Zudem sind selbst diese Züge klimatisiert.
  • Das Bemerkenswerteste aber, was mir in den letzten Wochen aufgefallen ist, ist die Wertschätzung und Dankbarkeit, die man auf der Arbeit erfährt. So viel Lob oder nur ein einfaches „Danke“ habe ich in Deutschland in den letzten 10 Jahren nicht bekommen.
    Und für ein großes Projekt was umgesetzt wurde, an dem ich nur einen kleinen Anteil hatte, gibt es jetzt einen halben Tag Extra-Ferien, der mit einem Team-Event begangen wird.

Im übrigen ist meine Wohnungssuche auch beendet. In Grossdietwil habe ich genau die Wohnung gefunden, die ich gesucht habe.

…mit großer Terrasse


…und tollem Ausblick

In diesem Zusammenhang gibt es noch ein Unterschied zu Deutschland, der mir aufgefallen ist:
Wenn man eine Wohnung besichtigen möchte, bekommt man nicht einen Termin vorgelegt, sondern soll seinerseits Terminvorschläge machen.

#19: Bestandene Probezeit

Bereits letzte Woche wurde in einer Besprechung mit meinem Vorgesetzten und meinen beiden Göttis der Verlauf meiner Probezeit besprochen. Da es keine Einwände gab und allesamt zufrieden waren, kann die Probezeit somit als bestanden angesehen werden.

Damit beginnt also der nächste Schritt meiner Auswanderung.
Aktuell bin ich auf der Suche nach einer neuen Wohnung, die ich dann nach meinem Geschmack einrichten kann. Im Kollegenkreis haben wir dabei festgestellt, dass nicht nur die Wohnung einem gefallen sollte, sondern auch der Steuerfuss der Gemeinde berücksichtigt werden sollte. Dies kann im günstigsten Fall über 10.000 CHF Ersparnis im Jahr ausmachen. Wenn ich dort also fündig geworden bin, wird als nächstes das Ummelden des Autos und das Eintauschen des Führerscheins anstehen.

Es gibt auch eine neue Fotogalerie. Am Sonntag bin ich mit der SBB ins Tessin, nach Locarno gefahren, dem tiefstgelegenen und wärmsten Ort der Schweiz. Hier war es wieder erstaunlich, dass man das Gefühl hatte, ob der ganzen Palmen, Pinien- und Olivenbäume, irgendwo tief im Süden am Mittelmeer zu sein. Aber es war halt immer noch die Schweiz!
Für die Fahrt habe ich mir auf der Gemeinde ein sog. Gemeinde-Ticket geholt. Dies ist eine Tageskarte für sämtliche Züge, Nahverkehrslinien und sogar Bergbahnen und Schiffverbindungen in der gesamten Schweiz. Das Ticket hat mich 42 CHF gekostet. Der reguläre Preis für die Fahrt wäre 150 CHF gewesen. Also eine enorme Ersparnis. Und das besondere ist: Dieses Ticket bietet quasi jede Gemeinde an, solange der Vorrat reicht und bis zu 4x pro Monat und Einwohner.

Und da wir gerade bei den schweizer Spezialitäten sind, hier wieder die Punkte, die mir besonders aufgefallen sind:

  • Fernzüge werden während des Aufenthalts im Bahnhof gereinigt
  • ebay-Kleinanzeigen werden hier live auf der Straße abgewickelt. Soll heißen: Wenn jemand was zu verkaufen hat, wird es mit einem Zettel dran vor die Tür gestellt
  • Die Mitarbeiter benutzen „Mail an alle“ (auf Abteilung beschränkt) um sich mal den Frust von der Seele zu schreiben aber auch um sich gegenseitig zu motivieren
  • im Supermarkt habe ich noch keine Zaziki entdeckt und trotz einer riesigen Auswahl an äußerst leckerem Käse vermisse ich einfachen Frischkäse

#17: Fast zwei Monate Schweiz

Jetzt bin ich seit fast zwei Monaten in der Schweiz und kann erneut eine Zwischenbilanz ziehen.

Der Anfang war ja mit einigen Schwierigkeiten verbunden. So hat sich die Kontoeröffnung über mehr als vier Wochen hingezogen, da die Bank meine deutsche Steuernummer haben wollte, obwohl ich alle ihre Forderungen nach einer schweizer Steueransässigkeit erfüllt hatte. Nach dem ich dann endlich meinen B-Ausweis erhalten hatte und ich eine Kopie der Bank zustellen konnte, war dieses Thema erledigt.
Etwas problematisch war auch die Findung eines Hausarztes. Die gewünschte Praxis, die gerade mal 100 Meter von meiner Wohnung entfernt ist, nimmt keine neue Patienten auf. Wie meine Arbeitskollegen anmerkten, ist dies in der Schweiz ein durchaus normaler Zustand und ich könne mich auf eine lange Suche einstellen. Der zweite Anruf bei einem Arzt führte dann aber schon zum Erfolg. Lustigerweise kommt der Arzt auch noch aus Bochum. Das Ärzte vorrangig nicht aus der Schweiz stammen ist wohl auch eher die Regel.

Da alles organisatorische nun also erledigt ist, kann ich mich um einen geregelten Alltag in der Schweiz bemühen.
Ohne Familie fällt dies natürlich schwer, aber auch das wird wohl vorerst ein dauerhafter Zustand bleiben.

Wie fällt also mein Fazit aus?
Ich fühle mich immer wohler hier! Stellenweise kann ich es noch gar nicht glauben, dass ich hier in diesem ganzen Umfeld leben darf. Ich warte immer noch auf einen Haken oder einen herben Rückschlag. Aber in zwei Monaten kann man aber auch noch nicht alles erlebt haben. Also warten wir mal ab.

Zumindest ist die Arbeit immer noch interessant und der Umgang mit den Kollegen ist echt prima. Sprachlich habe ich auch immer weniger Lücken. Im Vorfeld habe ich immer wieder von einer Ablehnung gegen Deutsche gehört. Auch davon habe ich noch nichts mitbekommen. Ich habe auch schon den ersten sozialen Kontakt außerhalb der Arbeit geknüpft. Zur Landschaft und den Freizeitmöglichkeiten muss ich wohl nichts weiter sagen…

In den Fotoalben gibt es direkt zwei neue Galerien zu meinen Ausflügen vom Wochenende. Gestern war ich zum Skifahren auf dem Titlis und heute bin ich durch die Taubenlochschlucht gewandert. Beide Ziele sind innert einer guten Stunde erreichbar.

Abschließend noch ein paar Dinge die mir wieder aufgefallen sind:

  • Meine Spülmaschine hat ein extra Programm für Raclette
  • Die Spritpreise bleiben über mehrere Tage stabil
  • Supermärkte bieten auch Zigaretten zu Angebotspreisen an
  • An verkaufsoffenen Feiertagen kann man ein Einkaufszentrum auch ohne Stau und Parkplatz-Probleme besuchen

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