GreatEMU

Der Blog zu meiner Auswanderung in die Schweiz

Kategorie: Arbeit Seite 1 von 3

#32 Steuerbescheide

Nun ist mehr als ein Jahr nach meinem letzten Blog-Eintrag vergangen. Aber die aktuellen Umstände verschaffen mir Zeit, mal wieder etwas zu schreiben.
Aus einem meiner letzten Beiträge ist noch eine Frage offen: Was ist aus dem Antrag zur Nachberechnung der Quellensteuer geworden?

Zunächst kann ich sagen, dass sich das Steueramt ziemlich genau an die angekündigte Bearbeitungszeit von 12 Monaten gehalten hat. Schlussendlich hat es sogar über 1 Jahr gedauert, bis ich den endgültigen Entscheid erhalten habe.
Aber immerhin wurden nahezu alle Angaben akzeptiert, so dass ich mehrere Hundert Franken zurückerstattet bekommen habe. Meine Ausgaben für ein Darlehn und Unterhaltszahlungen wurde akzeptiert. Lediglich bei den Fahrkosten wurden Abstriche gemacht.
Ich kann also allen Quellensteuer-Zahler, die gewissen zusätzliche Ausgaben haben, empfehlen eine Nachberechnung der Quellensteuer zu beantragen.

Mit der Beantragung der Nachberechnung zur Quellensteuer für das Jahr 2018 wollte ich dann warten, bis ich den Bescheid aus dem Jahr 2017 erhalten habe. So wollte ich prüfen, ob es sich überhaupt lohnt und welche Ausgaben ich überhaupt absetzen kann. Da die Bearbeitung aber solange gedauert hat, war die Frist für die Einreichung der Unterlagen für 2018 leider schon verstrichen.

Zum Thema Steuern beschäftige mich dann als nächstes die Frage, ab wann ich zur Zahlung der regulären Steuer verdonnert werde. Dies geschieht dann, wenn man in einem Jahr eine gewisse Gehaltsgrenze übersteigt. Bis dato wusste ich nicht, ob das Netto- oder Bruttoeinkommen dafür ausschlaggebend ist. (Weitere Erklärungen zum Thema Steuern (im Kanton Luzern) gibt es hier: Kanton Luzern )
Am Anfang des Jahres bekam ich dann zunächst ein Schreiben der Steuerverwaltung Luzern, dass ich auf Grund meine Brutto-Gehalts eine ordentliche Steuererklärung abgeben müsse. Die Unterlagen würden mir dann von der Gemeinde zugestellt werden.

Bis ich dann die Unterlagen des regionalen Steueramtes erhalten habe vergingen doch einige Wochen.
Zum Aufüllen der Steuererklärung kann man sich ein Programm herunterladen, dass ziemlich intuitiv zu bedienen ist. Im Vergleich zur deutschen Steuererklärung sind alles in allem vielleicht ein Dutzend Angaben zu machen.
Besonders praktisch: Formulare können direkt in das Programm hochgeladen werden und am Ende gibt man eine ID ein, die einem mit dem Schreiben mitgeteilt wurde. Dann kann man die Steuererklärung direkt online einreichen. Im letzten Schritt werden dann auch direkt die einzelnen Beträge für Bundes-, Kantons- und Gemeindesteuer angezeigt. So kann man direkt die Differenz zur gezahlten Quellensteuer berechnen.

Bis zur Antwort des Steueramts dauerte es auch keine 2 Wochen. Und tatsächlich – ich bekomme wieder einen ordentlichen Betrag zurück. 🙂
Mit der Antwort erhielt ich auch direkt ein Schreiben, wie mit meinem Überschuss umgegangen werden soll. Anrechnung auf die kommende Steuer oder Auszahlung…
Bis ich den Betrag dann auf meinem Konto hatte verging auch gerade mal 1 Woche.

Inzwischen habe ich auch schon die ordentliche Steuererklärung für das Jahr 2019 eingereicht. Durch meinen Umzug in die (steuergünstige) Gemeinde Eich wird die Rückzahlung wohl noch etwas höher ausfallen.

#22: Halbjahres-Fazit

Es wird wohl mal wieder Zeit etwas aus der Schweiz zu berichten…

Also werde ich heute mal mein Fazit nach einem halben Jahr ziehen.
Eins vorab: Ich habe bisher den Schritt zur Auswanderung zu keiner Zeit bereut.
Deshalb kann ich eigentlich auch nicht viel aus der Vergangenheit berichten.Die Arbeit macht immer noch viel Spass, was vor allem auch an den Kollegen liegt, die einem ständig ein positives Feedback geben. Zusätzlich sind mir hier bisher nur nette Menschen begegnet und die ersten sozialen Kontakte ausserhalb der Firma  konnten geknüpft werden. Zu der Schönheit der Landschaft muss ich auch nichts weiter sagen. Es gibt immer wieder neue Ecken zu entdecken. Am vergangenen Sonntag habe ich eine Runde um den Melchsee gedreht, wo mir die ersten Schneeflocken um die Nase getanzt sind. Das hat natürlich sofort für Vorfreude auf die Skisaison gesorgt.

Ein besonderes Erlebnis in der Vergangenheit war das Strassenfest in meiner Strasse.
Dort wurden ganz pragmatisch einfach Baustellenschilder auf die Strasse gestellt, um diese für den Durchgangsverkehr zu sperren. Dazu wurde ein grosser Pavillon mit etlichen Sitzgelegenheiten aufgestellt.
Ganz angetan war ich von der offenen und herzlichen Art aller Anwohner. Obwohl ich erst seit einem halben Jahr dort wohne, die meiste Zeit auf der Arbeit verbringe und dadurch kaum Kontakt zu Nachbarn habe wurde ich sehr nett empfangen. Alle waren sofort per Du und ich wurde ohne Vorbehalte in sämtliche Gespräche einbezogen. Und genau wie zu Anfangs auf der Arbeit wurde ich nach einer gewissen Zeit gefragt, ob ich überhaupt die Mundart verstehe oder ob sie lieber sie sich lieber hochdeutsch unterhalten sollten.
Sehr gesellig war dann auch das gemeinsame Grillieren. Und hier liegt die Betonung wirklich auf „gemeinsam“. Es gab einen grossen Grill und nach einer Eröffnungs-Ansprache hat jeder sein eigenes Grillgut auf den Rost gelegt. Somit war jeder für sein eigenes Stück Fleisch verantwortlich. Jedoch hat natürlich jeder auch das Fleisch des anderen gewendet. Nebenbei haben sich auch nette und lustige Gespräche am Grill ergeben.
Für Getränke war ebenfalls gesorgt. Kaffee und alkoholfreie Getränke gab es umsonst, für Wein und Bier wurde ein kleiner Obolus fällig. Auf meine Frage, wer denn der Kassenwart sei bzw. bei wem ich denn mein Bier kaufen könnte, wurde ich nur freundlich angelächelt. Dies würde auf Vertrauen basieren. Getränk nehmen, Geld in die Kasse legen.

Dann kann ich noch von der Einfuhr meines Wohnwagens berichten. Aber dies verlief auch ohne weitere Probleme, obwohl mir auf der Fahrt aufgefallen war, dass sowohl die Gasprüfung als auch der TÜV seit Mai abgelaufen waren. Aber das interessierte weder den deutschen noch den schweizer Zoll.
Im Vorfeld hatte ich bereits mit der Zollbehörde geklärt, dass ich die Anmeldung über das gleiche, bereits abgestempelte Formular, wie bei der Auto-Einfuhr erledigen könnte.

Ein weiteres schönes Erlebnis hatte ich eines Morgens auf den Weg zur Arbeit. Auf der Hauptstrasse in meinem Dorf war von der Polizei eine Strassensperre errichtet worden. Jedes ein- und ausfahrende Auto wurde von den Beamten auf der Strassenmitte angehalten. Allerdings wurde keine Kontrolle durchgeführt. Vom Bürgersteig her näherte sich eine Frau mit einem Schulkind im Schlepptau dem Beifahrerfenster. Diese erinnerte dann an den Schulanfang, bat um besondere Rücksicht und verschenkte noch einen Apfel.

Zum Schluss kann ich dann noch von einer Tankstelle berichten, die eine besondere Rabatt-Aktion anbietet. Je mehr an tankt, desto günstiger wird der Liter-Preis. Das heisst, dass während des Tankvorgangs der Preis sinkt. Am Ende habe ich dann 6 Rappen auf den Liter gespart.

Ende nächste Woche steht mein Umzug in die neue Wohnung an. Dann werde ich auch wieder mehr berichten zu haben.

#20: Alltag und Wohnungssuche

Da es zur Zeit nicht viel Neues zu berichten gibt, gibt es heute nur eine kleine Bildergalerie von meinem Ausflug zum Thunersee.

Ich hätte aber noch ein paar neue Erfahrungen, die ich hier gesammelt habe und mitteilen möchte:

  • wegen eines defekten Autos musste ich eine zeit lang mit der Bahn zur Arbeit fahren. Dabei habe ich gelernt, dass es im Nahverkehr Haltestellen gibt, an denen nur auf Verlangen gehalten wird. So gibt es im Zug und am Bahnsteig einen entsprechenden Halte-Knopf.
  • da mein Auto innert 4 Wochen dreimal in die Werkstatt musste, kann ich auch noch von dem riesigen Vertrauen der Menschen hier untereinander berichten. Als ich das Auto nach der dritten Reparatur abgeholt habe und bezahlen wollte, wurde ich nur fragend angeguckt. Ich hätte ja schon beim letzten mal bar bezahlt, so dass ich nun eine Rechnung bekommen würde.
  • In der Regionalbahn (so gross, wie eine Straßenbahn in Deutschland, aber ausgestattet und schnell wie eine S-Bahn) fragen neu zugestiegene Passagiere ob der Platz frei ist, bevor sie sich hinsetzen. Zudem sind selbst diese Züge klimatisiert.
  • Das Bemerkenswerteste aber, was mir in den letzten Wochen aufgefallen ist, ist die Wertschätzung und Dankbarkeit, die man auf der Arbeit erfährt. So viel Lob oder nur ein einfaches „Danke“ habe ich in Deutschland in den letzten 10 Jahren nicht bekommen.
    Und für ein großes Projekt was umgesetzt wurde, an dem ich nur einen kleinen Anteil hatte, gibt es jetzt einen halben Tag Extra-Ferien, der mit einem Team-Event begangen wird.

Im übrigen ist meine Wohnungssuche auch beendet. In Grossdietwil habe ich genau die Wohnung gefunden, die ich gesucht habe.

…mit großer Terrasse


…und tollem Ausblick

In diesem Zusammenhang gibt es noch ein Unterschied zu Deutschland, der mir aufgefallen ist:
Wenn man eine Wohnung besichtigen möchte, bekommt man nicht einen Termin vorgelegt, sondern soll seinerseits Terminvorschläge machen.

Seite 1 von 3

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén